Die Rahmenbedingungen für unser Leuchtturmprojekt in Uschgorod waren bei unserer zweiten Reise noch einmal deutlich schwieriger als im Jahr zuvor. Was beim letzten Mal schon herausfordernd war, hatte sich weiter verschlechtert – und doch wollten wir gerade deshalb wiederkommen.
Schon bei unserer Ankunft wurde klar, wie belastet die Spezialschule für hörbehinderte Kinder und Jugendliche aktuell war. Wegen der anhaltenden Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung war der Schule auferlegt, Energie einzusparen, insbesondere zum heizen. Bereits im Oktober gab es einen ersten Kälteeinbruch, und doch sollte die Schule erst ab November wieder die Heizungsanlage in Gang setzen. Mithin war es im Schulgebäude relativ kalt, mit der Folge, dass die Kinder und Lehrkräfte froren.
Für eine ohnehin stark beanspruchte Einrichtung – mit hörbehinderten Kindern, knappen Mitteln und zu wenig Personal – war das eine kaum lösbare Aufgabe. Fachkundige Männer, die die Heizungsanlage bedienen könnten, fehlten aktuell ebenfalls.
Die Folgen spürte man überall: Viele der anwesenden Schüler_innen waren gesundheitlich angeschlagen. Einige Eltern schickten ihre Kinder gar nicht erst in die Schule. Auch im Padium, unserem Projektort, wurde im Laufe der Tage deutlich, wie sehr der kalte Alltag an den Kindern zehrte.
Mit großer Sorge blickten alle auf den nahenden Winter, der als besonders streng erwartet wird. Wie ernst die Lage ist, zeigte ein Ereignis am Aufführungstag: 400 Mitarbeitende verschiedener Schulen aus der Region wurden ins Padium eingeladen, um gemeinsam zu beraten, wie man der sich zuspitzenden Energie- und Versorgungskrise begegnen soll. Während also auf der einen Seite über Notfallpläne diskutiert wurde, führten die Kinder ihre Zirkusnummern in der Manege auf. Zwei Welten, die sich gegenseitig kaum berühren – und doch zeigt ihre Gleichzeitigkeit, wie verletzlich und wie stark dieser Ort zugleich ist.
Aus organisatorischen Gründen konnten die Kinder an diesem Projekt nur drei statt der ursprünglich geplanten vier bis fünf Stunden täglich teilnehmen. Für das Team von Circus Soluna bedeutete das: noch konzentrierteres Arbeiten, noch mehr Feinfühligkeit, noch mehr individuelle Zuwendung.

(v.l.n.r.) Eduard Buras (Feman), Svitlana Hanushyna (Padium), Ralf Pauli (kids smile e.V.), Yanik Cheipesh und Natalia Buschko (Schulleitung Spezialschule), Birger Koch (Circus Soluna)
Viele Kinder waren sehr jung, alle lebten mit Einschränkungen – vor allem mit Hörbeeinträchtigungen, die im gemeinsamen Tun besondere Geduld und klare Kommunikation erforderten. Trotzdem gelang es dem Team, die wenigen Stunden bestmöglich zu nutzen.
Eine weitere Hürde: Das Zirkusprojekt ist in der Ukraine bislang nicht als besondere Bildungsmaßnahme anerkannt. Obwohl Zirkusarbeit nachweislich motorische Fähigkeiten stärkt, Selbstvertrauen aufbaut und Teamgeist fördert, gilt sie (noch) nicht als Teil des regulären Unterrichts. Für die Spezialschule bedeutete das, dass alle Stunden, die die Kinder im Projekt verbrachten, als „fehlend“ galten und später nachgeholt werden mussten – zusätzlicher Druck für Kinder und Lehrkräfte.
Schulleiterin Natalia Buschko und ihr Stellvertreter Yanik Cheipesh luden uns erneut zu einem großen Essen in die Schule ein – ein herzliches Zeichen der Wertschätzung. In intensiven Gesprächen ging es nicht nur um das Projekt, sondern um den Alltag, die Sorgen und die Hoffnung der Menschen vor Ort. Die persönliche Nähe, die über die letzten zwei Jahre entstanden ist, wurde an diesem Nachmittag noch einmal vertieft.
Am Tag der Aufführung ging durch die vorgenannte parallel stattfindende Konferenz noch einmal wertvolle Vorbereitungszeit für die Kinder verloren. Doch Dank des Könnens, der Ruhe und des Engagements des Soluna-Teams gelang am Ende wieder ein wunderschöner Auftritt. Die Kinder strahlten.
Die Eltern und die für die Konferenz eingeladende Schulleitungen waren sehr berührt. Und für einen Moment war für alle spürbar, wie wichtig solche Fenster der Leichtigkeit sind.
Wie geht es weiter?
Niemand weiß momentan, wie sich die Lage in der Ukraine entwickeln wird oder welche Herausforderungen noch warten. Für uns von kids smile e.V. und dem Team von Circus Soluna bedeutet das: Wir müssen sorgfältig überlegen, welche Rahmenbedingungen – organisatorisch wie finanziell – nötig sind, um das Projekt verantwortungsvoll fortzuführen.
Gleichzeitig prüfen wir, wie unser Engagement langfristig, nachhaltig und wirkungsvoll gestaltet werden kann. Erste Überlegungen dazu gibt es bereits. Zudem hat eine zweite Einrichtung großes Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert – ein ermutigender Ausblick in unsicheren Zeiten.
Wir wissen heute zwar nicht, wohin der Weg führt. Aber wir wissen, dass wir ihn weitergehen wollen.
Wenn Sie die Arbeit von kids smile e.V. unterstützen möchten, freuen wir uns sehr über jede Hilfe. Jeder Beitrag – ob groß oder klein – macht es möglich, Kindern in herausfordernden Zeiten unbeschwerte Momente, Mut und neue Stärke zu schenken. Unser Spendenkonto: hier klicken.
Vielen Dank an alle, die dieses Projekt möglich machen!








